Schlagwort-Archive: YouTube

LG Leipzig erklärt YouTube das Urheberrecht

Das LG Leipzig hat YouTube per Urteil erklärt, dass man auch auf Hinweise auf Urheberrechtsverletzungen handeln muss und nicht jeden Blödsinn als Argument nehmen darf, eine Löschung zu verweigern.
In dem konkreten Fall ging es um den Fernseh-Mitschnitt eines Dokumentarfilms, der von dem Uploader „Revo Luzzer“ auf YouTube hochgeladen wurde.
Der Produzent des Films machte YouTube auf diesen Rechtsverstoß aufmerksam und verlangte die Löschung des betreffenden Inhalts.
Doch statt der offenkundigen Urheberrechtsverletzung abzuhelfen, bat YouTube den illegalen Uploader um seine Stellungnahme – und der erklärte frech und trotzig, als Zahler des Rundfunkbeitrags sei er Miteigentümer des gesendeten Films geworden und könne damit machen, was er wolle. Diese krude Argumentation wurde von YouTube akzeptiert, die Löschung unterblieb. Selbst auf eine Abmahnung reagierte YouTube nicht.

Das LG Leipzig stellt in seinem Urteil klar: „Die Beklagte“ – also Youtube – habe „ihr zumutbare Prüfpflichten verletzt, weil sie nach dem Hinweis der Klägerin im Rahmen des Beanstandungsverfahrens nicht alles ihr technisch und wirtschaftlich Zumutbare getan hat, um weitere Rechtsverletzungen im Hinblick auf die geschützten Werke zu verhindern“.
Dass ein derart klarer Fall auf Betreiben von Google überhaupt gerichtsanhängig wurde, hat aus Sicht der AG DOK, die das Verfahren unterstützt hatte, Methode: offenbar versucht Google mit allen Mitteln, die Grenzen des Urheberrechts zu seinen Gunsten auszuweiten – auch, wenn der Anlass noch so absurd erscheint.
[LG Leipzig, 19.5.2017, Az. 05 O 661/15]

https://agdok.de/de_DE/youtube-verliert-prozess

Verantwortung ist ein verdammter Bumerang

Das Thema Werbung auf unerwünschten Webseiten ist nach wie vor präsent.  Seit dem Artikel auf Webschauder am 29.03.2017 gibt es neue Entwicklungen aus diesem Bereich.

In der Print Ausgabe 23/2017 des Spiegels wird über das Schicksal von Gerald Hensel und seinem neuen Projekt „Fearless Democracy“ berichtet. Hensel war in 2016 der Initiator der Aktion „Kein Geld für Rechts“.
Er verlor im Nachgang zu der Aktion seinen Job und musste Deutschland zeitweise verlassen, weil ein gewaltiger Shitstorm gegen ihn entbrannte. Nun startet er eine Art NGO, um rechten Webseiten den Geldhahn über Werbung zuzudrehen.
Das Branchenmagazin „Werben und Verkaufen“ widmet Hensel und seinem neuen Projekt ein Interview. Am Ende dieses Interviews kommt Hensel zu interessanten Schlüssen:
„Gerade die großen Tech-Player und Content-Akteure sollten sehr schnell verstehen, dass sie mehr als jede andere Branche von einer verbundenen, offenen Welt profitieren und deshalb Verantwortung tragen – nicht zuletzt sich selbst gegenüber. Lassen Sie es mich so sagen: Die Zeit des Zurücklehnens ist vorbei.“

Die Player tragen diese Verantwortung eigentlich nicht nur beim Thema Hass-Rede oder Fake-News sondern auch beim Thema Urheberrechtsverletzungen.
Youtube Werbung auf Kanälen, die sehr eindeutig als IS-nahe zu identifizieren wären, mutet besonders nach den jüngsten Anschlägen immer noch sehr bizarr an.
Der US Blog Thetrichordist berichtet aktuell über so einen Fall. Verantwortung ist ein verdammter Bumerang weiterlesen

Großbritannien: Parteien werben nicht mehr bei YouTube

Weil ihre Wahlkampfwerbung auch auf islamistischen Kanälen ausgestrahlt wurde, haben die Conservative Party, die Labour Party und die Liberal Democrats ihre Wahlwerbespots von YouTube zurückgezogen.

Bei Recherchen der britischen The Times wurden Werbespots der Parteien und verschiedener Markenanbieter in Kanälen entdeckt, die islamistische Predigten verbreiten und auch zur Rekrutierung der Terror-Miliz ISIS benutzt würden.

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Britische-Wahlkaempfer-boykottieren-YouTube-3736912.html

EU-Studie zum Löschverhalten von Facebook, YouTube und Twitter

Die WELT informiert vorab über eine Studie der Europäischen Kommission, die in 24 europäischen Ländern das Löschverhalten von Facebook, Twitter und YouTube in mehr als 1500 Fällen in den Monaten März bis Mai untersuchte.

  • 40,8 Prozent der gemeldeten Inhalte wurden nicht gelöscht.
  • Wenn gelöscht wurde, dann dauerte es. Nur in etwa jedem zweiten Fall löschten sie binnen der vorgesehenen Frist von 24 Stunden, 13 Prozent dauerten länger als eine Woche.

Nachtrag:
Inzwischen wurde die Studie veröffentlicht:
http://europa.eu/rapid/press-release_IP-17-1471_de.htm

https://www.welt.de/wirtschaft/article165115763/Hass-und-Hetze-werden-nicht-schnell-genug-geloescht.html

USA: DMCA erspart YouTube jährlich bis zu 1 Mrd. Kosten

Nach einer aktuellen Studie des Phoenix Centers aus Washington ermöglicht die amerikanische DMCA-Regelung YouTube unautorisierte Kopien von Musik ohne Bezahlung von Lizenzgebühren anzubieten.
Müsste YouTube diese zu Marktpreisen einkaufen, würden jährlich alleine in den USA Lizenzgebühren zwischen $ 650 Million und 1 Milliarde US-Dollar an die Musikwirtschaft fällig.

“SAFE HARBORS AND THE EVOLUTION OF MUSIC RETAILING”
http://www.phoenix-center.org/PolicyBulletin/PCPB41Final.pdf

Unterschiede im Streaming:

https://medium.com/@RIAA/2016-a-year-of-progress-for-music-4e9b77022635

YouTube-Konzept: Auch zukünftig darf auf vielen extremistischen Seiten geworben werden

YouTube-Chefin Susan Wojcicki hat in Berlin verdeutlicht, wie YouTube mit dem Problem Anzeigen neben extremistischen Videos umgehen will. Schwerpunkt sind Maßnahmen, die Anzeigenkunden mehr Kontrolle darüber geben, wo ihre Werbung zu sehen ist.
Entgegen früheren Verlautbarungen, die nur auf diese Kontrolle durch die Werbenden setzen, soll es nach Angaben von Frau Wojcicki außerdem mehr Kategorien von Videos geben, neben denen grundsätzlich keine Werbung angezeigt werde.
Eigenständig oder zwangsweise löschen will man solche Angebote auf den eigenen Seiten aber nicht: „Solche Gesetzgebung führt dazu, dass zu viel zensiert wird, dass Plattformen Inhalte entfernen, die nicht entfernt werden sollten“, sagte Wojcicki.

https://www.wuv.de/digital/youtube_chefin_kuemmert_sich_um_die_veraergerten_werbekunden

Vgl. auch
https://www.nzz.ch/wirtschaft/boykott-der-werbeplattform-youtube-unmut-verbreitet-sich-wie-ein-katzenvideo-ld.153633

https://www.nzz.ch/wirtschaft/hass-videos-auf-youtube-google-geraet-weiter-unter-druck-ld.153109

„Die Google-Dämmerung“ oder „Wenn Anderen ein Licht aufgeht“

Unter den Eindrücken des jüngsten Anschlags in London im März 2016 nimmt plötzlich die Diskussion um die Verantwortlichkeiten von Werbenetzwerken im Internet drastisch zu.

Was war genau passiert?

Hassrede und extreme Propaganda sind selbstverständlich ein Teil unserer Realität und somit auch auf zahlreichen Seiten im Internet auffindbar. Das war auch Journalisten des Guardian aufgefallen. Allerdings wunderte sich der Guardian, warum es Webseiten und Youtube Kanäle gibt, die trotz eindeutig radikaler, rassistischer, antisemitischer und extremistischer Inhalte fleißig mit Werbung durch den Giganten Google bespielt werden, Google also den Betreibern/Verfassern zu Geld verhilft. Der Guardian zog für sich die Konsequenz und stellte die Zusammenarbeit mit Google in Sachen Werbung ein, weil man offenbar verhindern wollte, dass Guardian Werbung auf solchen dubiosen Seiten oder Kanälen erscheint. Man war sich beim Guardian durchaus bewusst, dass das auch negative Auswirkungen auf die Besucherströme der eigenen Webseite haben kann und wird.

Auf diese erste eher kleine Notiz folgten allerdings weitere Marktteilnehmer und Werbende, die es dem Guardian nachtaten. Havas, ein französisches Marketingunternehmen, welches allein £ 175 Millionen im Jahr an Werbegeldern von Kunden aus dem Vereinigten Königreich verwaltet, ging den gleichen Schritt. „Die Google-Dämmerung“ oder „Wenn Anderen ein Licht aufgeht“ weiterlesen

Nun auch Google-Boykott in den USA

Der Streit um Werbung auf extremistischen YouTube-Videos hat nun auch dazu geführt, dass in den USA erste Unternehmen Google boykottieren. Nach Angaben von USA Today gilt dies u.a. für AT&T, Verizon sowie Johnson & Johnson.

Googles halbherzige Maßnahmen und Versprechen scheinen zumindest bis jetzt noch nicht zu greifen.

http://www.usatoday.com/story/tech/news/2017/03/22/att-pulls-google-youtube-ads-over-offensive-content/99497194/

https://www.golem.de/news/neue-richtlinien-google-will-werber-besser-vor-hass-webseiten-schuetzen-1703-126856.html

Großbritannien: YouTube-Boykott

Unter dem Titel „Taxpayers are funding extremism“ hat die Times aufgezeigt, dass Werbung seriöser Institutionen und Unternehmen auf extremistischen Botschaften bei YouTube erscheint. Diese können durch YouTubes Werbevermittlung bis zu sechsstellige Geldbeträge erwirtschaften.
Verschiedene britische Konzerne und die britische Regierung schalten dort vorerst keine Werbung mehr.

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Onlinewerbung-neben-extremistischen-Videos-Britische-Werber-boykottieren-Youtube-3659238.html

http://www.thetimes.co.uk/article/taxpayers-fund-extremism-csdn0npsf

Upload-Filter gegen „Terrorismus und Extremismus“

Facebook, Youtube, Twitter und Microsoft haben den Prototypen einer Datenbank gestartet, in dem „digitale Fingerabdrücke“ (Hashwerte) von terroristischen oder extremistischen Inhalten gespeichert werden. Letztendlich soll so ein erneutes Hochladen schon bekannter illegaler Inhalte vermieden werden.

https://netzpolitik.org/2017/facebook-twitter-co-upload-filter-gegen-terrorismus-und-extremismus-gestartet/

Jugendschutz.net zeigt erneut mangelndes Engagement gegen Hass

Eine aktuelle Untersuchung von jugendschutz.net zur Löschung rechtswidriger Hassbeiträge bei Facebook, YouTube und Twitter zeigt, dass Meldungen der Nutzer immer noch nicht ernst genommen werden:

  • Von den strafbaren Inhalten, die jugendschutz.net als User meldete, löschten oder sperrten Facebook 39 % (minus 7 % im Vergleich zum letzten Test), YouTube 90 % (plus 80 %) und Twitter weiterhin 1 %.
  • Bei YouTube wurden nach der Meldung als akkreditierter User weitere 7 % gelöscht oder gesperrt, bei Twitter 63 %.
  • Erst nach direkten Kontakten per E-Mail löschte Facebook weitere 54 % (Löschquote 88 %), YouTube und Twitter entfernten alle verbliebenen Testfälle.

Im Endeffekt löschten somit Facebook 93 % aller gemeldeten strafbaren Inhalte (plus 2 % im Vergleich zum letzten Test), YouTube 100% (plus 2 %) und Twitter 100 % (plus 18 %).

Die Vereinbarung, die Mehrzahl der gemeldeten rechtswidrigen Hassbotschaften innerhalb von 24 Stunden zu entfernen, wird derzeit nur von YouTube eingehalten.

http://www.bmjv.de/SharedDocs/Downloads/DE/Artikel/03142017_Monitoring_jugendschutz.net.pdf?__blob=publicationFile&v=1