Studie: Werbung finanziert die Internetpiraterie

Eine aktuelle Studie zur Werbefinanzierung von Piraterieseiten kommt zu dem Ergebnis, dass die in Deutschland meistbesuchten Internetseiten zur illegalen Verbreitung von Medieninhalten jährlich alleine durch deutsche Nutzer über 33 Mio. Euro einnehmen.
Die mit Abstand meisten Werbeanzeigen gehen auf die Internet-Glücksspielbranche zurück (22,3 Prozent), die zumeist mit Lizenzen aus Deutschland (Schleswig-Holstein), Malta oder Gibraltar agiert. Gefolgt von den Browsergameanbietern (12,1 Prozent), teils auch aus Deutschland. Werbung seriöser Markenartikler ist dagegen eher selten zu finden.

Die aktuelle Studie der FDS File Defense Service zur Werbefinanzierung von Piraterieseiten hat im Beobachtungszeitraum Juli 2016 die Werbung auf den mehr als 50 bedeutendsten Internetseiten zur illegalen Verbreitung filmischer Inhalte systematisch erfasst und im vorliegenden Bericht aufgeführt. Im Einzelnen:

Piraterieformen, hohe Bedeutung von Streamingseiten

  • Video-/bzw. Streaminghoster sind für deutsche Konsumenten mittlerweile die wichtigste Bezugsquelle für illegal verbreitete filmische Inhalte. Im Beobachtungszeitraum Juli 2016 verzeichneten allein die 24 meistbesuchten Videohoster 115 Mio. Visits deutscher Nutzer. Zum Vergleich: Sharehoster 46 Mio. Visits und Tauschbörsenportale 13 Mio. Visits.
  • Die Bedeutung von Werbung auf diesen Seiten hat in den letzten 2 Jahren zugenommen.

Anzeigeneinnahmen

  • Insgesamt wurden im Berichtszeitraum Juli 2016 auf den untersuchten Piraterieseiten 2,4 Mrd. Werbeanzeigen an deutsche Nutzer ausgespielt. Mit 1,5 Mrd. Anzeigen lag der Großteil bei den Videohostern; allein streamcloud.eu konnte 885 Mio. Anzeigen platzieren.
  • Auf das Jahr gerechnet haben Deutschlands meistbesuchte Piraterieseiten alleine durch deutsche Besucher Werbeeinnahmen in Höhe von über 33 Mio. Euro generiert.
  • Weltweit können die überprüften Seiten jährlich Werbeeinnahmen in Höhe von 300 Mio. Euro erzielen. Da es unzählige Seiten gibt, die in Deutschland vergleichsweise unbedeutend sind, aber in anderen Ländern viele Nutzer haben, dürften die gesamten Werbeeinnahmen des Pirateriesystems deutlich höher ausfallen.

Die Werbenden

  • Die am häufigsten vertretenen Werbebranchen sind Internet-Glücksspielseiten (22,3 Prozent aller Anzeigen) und Browsergames (12,1 Prozent). Die meisten der Internet-Glückspielseiten verfügen über eine europäische Lizenz, zum Beispiel aus Schleswig-Holstein, Malta oder Gibraltar. Auch von den Browsergameanbietern kommen einige aus Deutschland.
  • Insgesamt wurden 459 unterschiedliche Werbetreibende erfasst, darunter anrüchige Seiten zur Vermittlung von Urlaubs“partnern“ oder Malwareschleudern, aber vereinzelt auch seriöse Unternehmen wie zum Beispiel Absatzwirtschaft, Amazon, Babbel, Bonprix, Fortfun, Freenet, Gameforge, Playzo, Rabatt-Rudi oder Upjers.
  • Allein die Top 10 der Werbetreibenden zeichnen für 33 Prozent aller aufgefundenen Anzeigen verantwortlich.
  • Bei 68 Prozent der Anzeigen ist erkennbar ein Werbenetzwerk eingebunden. Die Top 10 der Werbenetzwerke vermitteln 39 Prozent aller Anzeigen. Viele dieser Werbenetzwerke suchen bewusst den Kontakt zu den illegalen Angeboten.

Die illegale Verbreitung von Medienprodukten im Internet geschieht in der Regel zur Erzielung von Einnahmen. Diese können entweder durch den Verkauf von Premiumzugängen oder durch Einbindung von Werbung erzielt werden.
Die aktuelle Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag vereinbart, sich dieser Problematik anzunehmen:
„Wir wollen die Rechtsdurchsetzung insbesondere gegenüber Plattformen verbessern, deren Geschäftsmodell im Wesentlichen auf der Verletzung von Urheberrechten aufbaut. Wir werden dafür sorgen, dass sich solche Diensteanbieter nicht länger auf das Haftungsprivileg, das sie als sogenannte Hostprovider genießen, zurückziehen können und insbesondere keine Werbeeinnahmen mehr erhalten.“
Umgesetzt wurde dies bisher nicht.

Die gesamte Studie ist erhältlich unter:
http://www.webschauder.de/downloads/werbestudie.pdf

Die englische Kurzfassung unter: http://www.webschauder.de/study-ads-are-financing-piracy/

Die Studie wurde unterstützt durch die FFA – Filmförderungsanstalt, Berlin: www.ffa.de