Internet-Glücksspielangebote werben weiterhin massiv auf

Die im September 2016 veröffentlichte „STUDIE ZUR WERBEFINANZIERUNG VON INTERNETSEITEN ZUR ILLEGALEN VERBREITUNG URHEBERRECHTLICH GESCHÜTZTER WERKE“ zeigt, dass die wichtigste Werbebranche für Piraterieseiten das Internet-Glücksspiel ist (22,3 Prozent aller Anzeigen) [1].
Die Bedeutung der Internet-Glücksspielseiten für die Finanzierung der Internetpiraterie wird noch dadurch verstärkt, dass die Werbung meist über große Pop-ups und Pop-unders erfolgt und somit überdurchschnittlich zu den Einnahmen beiträgt.

Neben der Veröffentlichung der Studie in der Presse wurden die Anbieter der Internet-Glücksspielangebote im Oktober detailliert über ihre Beteiligung an der Finanzierung urheberrechts-verletzender Seiten informiert.
In dieser Untersuchung wird geprüft, ob sich im Vergleich zum Erhebungszeitraum Juli 2016 etwas geändert hat.
Basis der Überprüfung sind die Angaben des Webanalysten Similiarweb (kostenfreier Pro-Zugang), der je Seite die bis zu 5 wichtigsten Werbebranchen, Werbetreibenden und für die Seite wichtigsten Werbenetzwerke offenlegt. Basis der Angaben sind eine jeweils von Similiarweb benannte Anzahl von untersuchten Werbungen aus dem Zeitraum Oktober bis Dezember 2016. Diese Angaben wurden bezüglich der noch existierenden Piraterieseiten der Studie sowie einiger weiterer wichtiger Piraterieseiten erfasst. Insgesamt handelt es sich dabei um 56 Piraterieseiten aus den Bereichen Portale, Share- und Videohoster, Tauschbörsen und Linkreferrer.

„Gambling“ gehört häufig zu den Top 5 Werbebranchen
Bei 44 der 56 untersuchten Seiten (79 %) war die „Gambling“- Branche eine der 5 wichtigsten Werbebranchen der Seite. „Gambling Sport“ gab es auf 71 % der Seiten und „Gambling“ bzw. „Gambling Casino“ auf 55 % aller Seiten.

Internetglücksspielseiten oft unter den Top-Werbekunden
Bei 36 Piraterieseiten waren unter den maximal ausgewiesenen Top 5 werbetreibenden Unternehmen auch Internet-Glücksspielangebote. Bei einer Seite waren alle Top 5 Werbekunden aus dem Bereich Internet-Glücksspiel.

Top 10 Piraterieseiten mit Anzahl der Internet-Glücksspielseiten unter den Top 5 Werbekunden
Platz  Piraterieseite Anzahl Internetglückspielseiten
1 megacache.net 5
2 bs.to 4
3 kinox.to 4
4 serienjunkies.org 4
5 share-links.biz 4
6 atomload.to 3
7 filmpalast.to 3
8 goldesel.to 3
9 share-online.biz 3
10 vivo.sx 3


Keine Bereitschaft etwas zu ändern

Nach der im September veröffentlichten Studie wurden die hinter 16 Internetglücksspielseiten stehenden Unternehmen über die Studie und die ihre Firma betreffenden Befunde informiert. Neun der 16 Angebote haben trotzdem auf mindestens einer der benannten Seiten so viel geworben, dass sie zu den Top 5 Werbetreibenden gehörten.
Da sich die Analyse nur auf die Top-Seiten bezieht, kann keineswegs der Umkehrschluss gezogen werden, dass die anderen Seiten nicht mehr auf Internet-Glücksspielseiten werben. Von den 9 besonders intensiv werbenden Seiten haben 5 zumindest weiterhin auf einer der ihnen explizit benannten Seiten geworben.
So hat zum Beispiel bet365 auf 22 Seiten so viel geworben, dass sie zu den Top 5 der werbenden Kunden gehörten. Von den 22 Seiten waren sechs Seiten im Anschreiben explizit bemängelt worden, da man dort entsprechende Werbung bereits gefunden hatte. 15 weitere Seiten hätte man mit einer reinen Übernahme der in der Studie genannten Seiten in eine Sperrliste vermeiden können.

Top 5 Internet-Glücksspielangebote die weiterhin auf Piraterieseiten werben
 Platz Internetglücksspielseite Anzahl Piraterieseiten
1 bet365 22
2 Sunmaker 14
3 Sunnyplayer 13
4 Stargames 3
5 bwin 2
Nur einmal unter den Top 5 waren bet-at-home, quasar, stake7 und Tipico.

Darüber hinaus sind weitere Marken aufgefallen, die aber nicht angeschrieben wurden, da sie im Zusammenhang mit der im September veröffentlichten Studie nicht im Focus standen: 10bet, 888casino, Casino-555, Europa Casino, Europaplay, Interwetten, Prime Slots, Rivalo and William Hill.

 

Werbenetzwerke – problematische Geschäftspartner besonders beliebt
Das häufige Erscheinen von Anzeigen der Internet-Glücksspielangebote auf Piraterieseiten verwundert nicht, da die Internet-Glücksspielseiten gerne Werbenetzwerke nutzen, die auch massiv auf Piraterieseiten  werben. Nachfolgend zwei Beispiele:

  •  Bwin gehört bei bs.to und megacache.net zu den wichtigsten Werbetreibenden. Insgesamt kommen bei bwin 22,3% aller Seitenbesuche (Okt-Dez 2016) über Werbung, die von Werbenetzwerken vermittelt wird. Die fünf für bwin wichtigsten Werbenetzwerke sind massiv an der Verbreitung von Anzeigen auf Piraterieseiten tätig. An der Spitze Propeller Ads, die bei 23 Piraterieseiten zu den maximal 5 wichtigsten Werbenden gehören, am „unteren“ Ende DirectRev, die es nur bei 5 Seiten schafften zu den wichtigsten Werbetreibenden zu gehören.
  • William Hill gehört nur bei bigfile.to zu den wichtigsten Werbetreibenden. Von den 4.750.000 Visits im
    Untersuchungszeitraum werden 14,33% durch Werbenetzwerke vermittelt. Auch hier ist jedes der fünf wichtigsten Werbenetzwerke in die Belieferung von Piraterieseiten eingebunden, neben den bereits oben genannten zusätzlich Adf.ly und Adk2 mit je 11 sowie AdsTerra mit 7 Piraterieangeboten.

Im Übrigen sind die beteiligten Werbevermittler teilweise anonym unterwegs oder sitzen in exotischen Ländern in denen eine Rechtsverfolgung unmöglich ist. Ob sie überhaupt in einem Land Steuern zahlen, bleibt offen.

 

[1] Internetglückspiel umfasst klassische Casinospiele, Programme mit Automatenspielen und den Wettbereich.