Archiv der Kategorie: Meinung / Kommentar

Kinderpornographie: Manche deutsche Internetanbieter lassen sich viel Zeit beim Löschen

Über die Frage, ob Löschen statt Sperren der Weisheit letzter Schluss ist, kann man lange streiten. Unstrittig aber sollte sein, dass deutsche Internetanbieter Kinderpornographie umgehend löschen, sobald sie darüber informiert werden.
Genau dies passiert aber eben nicht. Laut dem „Bericht über die im Jahr 2016 ergriffenen Maßnahmen zum Zweck der Löschung von Telemedienangeboten mit kinderpornografischem Inhalt im Sinne des § 184b des Strafgesetzbuchs“ wurden nur 70 Prozent (720) aller Inhalte in Deutschland spätestens nach zwei Tagen gelöscht. Nach einer Woche lag die „Erfolgsquote“ bereits bei 95 Prozent (975). Der durchschnittliche Verfügbarkeitszeitraum lag somit bei 2,93 Tagen.
Erklärt wird der verbleibende Rest von 5 Prozent mit: „Ursächlich für die nach einer Woche noch verbliebenen Inhalte (5 Prozent) waren auch im Jahr 2016 der temporäre Verzicht auf Löschungen aus ermittlungstaktischen Gründen sowie technische und / oder organisatorische Probleme einzelner Provider bei der Umsetzung des Löschungsersuchens.“
Wieso aber 25 Prozent der bei deutschen Hostern liegenden kinderpornographischen Inhalte erst nach zwei oder mehr Tagen gelöscht werden bleibt offen.

http://www.bmjv.de/SharedDocs/Downloads/DE/Statistiken/Download/Bericht_Loeschen-statt_sperren_2016.pdf;jsessionid=93FE720EBE908545B15A966EC06405DF.2_cid334?__blob=publicationFile&v=2

Last Pirate standing …and leaving

Zwei Tage lang tagten Experten auf Einladung des europäischen Amts für geistiges Eigentum (EUIPO), des Bundesjustizministeriums und der EU-Kommission in Berlin auf dem EUIPO Summit 2017.

Eine bunte Vielzahl an Experten traf sich dort: Staatsanwälte, Polizisten, Zollfahnder, Verbandsvertreter, Anwälte, Rechteinhaber usw.
Die Gastgeber hatten aber auch Vertreter der Zivilgesellschaft eingeladen, die die Sicht der Konsumenten vertreten sollten.
Die Wahl fiel auf Klaus Müller vom Bundesverband der Verbraucherzentralen und Julia Reda, der letzten deutschen Parlamentarierin der Piratenpartei in einem relevanten Parlament.

Beweis durch Behauptung

Klaus Müller war der dritte Sprecher am Eröffnungstag und irgendwie war es ihm wichtig gleich dreimal! in seiner Rede darauf hinzuweisen, dass überall dort, wo es legale Angebote gibt, die Piraterie zurückgehen würde. Die Kreativwirtschaft wäre nach der müllerschen Logik einfach selber schuld.
Nun, leider belegte er diese Aussage nicht mit Zahlen, Fakten oder Quellen. Last Pirate standing …and leaving weiterlesen

Verantwortung ist ein verdammter Bumerang

Das Thema Werbung auf unerwünschten Webseiten ist nach wie vor präsent.  Seit dem Artikel auf Webschauder am 29.03.2017 gibt es neue Entwicklungen aus diesem Bereich.

In der Print Ausgabe 23/2017 des Spiegels wird über das Schicksal von Gerald Hensel und seinem neuen Projekt „Fearless Democracy“ berichtet. Hensel war in 2016 der Initiator der Aktion „Kein Geld für Rechts“.
Er verlor im Nachgang zu der Aktion seinen Job und musste Deutschland zeitweise verlassen, weil ein gewaltiger Shitstorm gegen ihn entbrannte. Nun startet er eine Art NGO, um rechten Webseiten den Geldhahn über Werbung zuzudrehen.
Das Branchenmagazin „Werben und Verkaufen“ widmet Hensel und seinem neuen Projekt ein Interview. Am Ende dieses Interviews kommt Hensel zu interessanten Schlüssen:
„Gerade die großen Tech-Player und Content-Akteure sollten sehr schnell verstehen, dass sie mehr als jede andere Branche von einer verbundenen, offenen Welt profitieren und deshalb Verantwortung tragen – nicht zuletzt sich selbst gegenüber. Lassen Sie es mich so sagen: Die Zeit des Zurücklehnens ist vorbei.“

Die Player tragen diese Verantwortung eigentlich nicht nur beim Thema Hass-Rede oder Fake-News sondern auch beim Thema Urheberrechtsverletzungen.
Youtube Werbung auf Kanälen, die sehr eindeutig als IS-nahe zu identifizieren wären, mutet besonders nach den jüngsten Anschlägen immer noch sehr bizarr an.
Der US Blog Thetrichordist berichtet aktuell über so einen Fall. Verantwortung ist ein verdammter Bumerang weiterlesen

Facebook akzeptiert Holocaustleugnung

Aus deutscher Sicht ist es unverständlich, dass Facebook seine Mitarbeiter und Dienstleister nicht anweist, Holocaustleugnungen generell zu löschen.
Gar nicht mehr nachzuvollziehen ist es, dass solche Äußerungen noch nicht einmal in all den Ländern gesperrt werden, in denen sie strafrechtlich verboten sind, wie der Guardian nun belegt.

Holocaustleugnungen sind nach Angaben von Facebook wohl in 14 Ländern strafbar, gesperrt wird nur in Deutschland, Frankreich, Israel und Österreich. Der vorgegebene Grund: „Wir beziehen es nur auf die vier Länder, die dieses Thema bei uns aktiv verfolgen.“

In einer späteren Stellungnahme, behauptet Facebook die Ziffer vier würde nicht stimme. Genauere Angaben werden aber nicht gemacht. Der Sachverhalt generell wird nicht bestritten.

https://www.theguardian.com/news/2017/may/24/how-facebook-flouts-holocaust-denial-laws-except-where-it-fears-being-sued

„Die Google-Dämmerung“ oder „Wenn Anderen ein Licht aufgeht“

Unter den Eindrücken des jüngsten Anschlags in London im März 2016 nimmt plötzlich die Diskussion um die Verantwortlichkeiten von Werbenetzwerken im Internet drastisch zu.

Was war genau passiert?

Hassrede und extreme Propaganda sind selbstverständlich ein Teil unserer Realität und somit auch auf zahlreichen Seiten im Internet auffindbar. Das war auch Journalisten des Guardian aufgefallen. Allerdings wunderte sich der Guardian, warum es Webseiten und Youtube Kanäle gibt, die trotz eindeutig radikaler, rassistischer, antisemitischer und extremistischer Inhalte fleißig mit Werbung durch den Giganten Google bespielt werden, Google also den Betreibern/Verfassern zu Geld verhilft. Der Guardian zog für sich die Konsequenz und stellte die Zusammenarbeit mit Google in Sachen Werbung ein, weil man offenbar verhindern wollte, dass Guardian Werbung auf solchen dubiosen Seiten oder Kanälen erscheint. Man war sich beim Guardian durchaus bewusst, dass das auch negative Auswirkungen auf die Besucherströme der eigenen Webseite haben kann und wird.

Auf diese erste eher kleine Notiz folgten allerdings weitere Marktteilnehmer und Werbende, die es dem Guardian nachtaten. Havas, ein französisches Marketingunternehmen, welches allein £ 175 Millionen im Jahr an Werbegeldern von Kunden aus dem Vereinigten Königreich verwaltet, ging den gleichen Schritt. „Die Google-Dämmerung“ oder „Wenn Anderen ein Licht aufgeht“ weiterlesen

Eco vertritt Pirateriedienstleister – Eco-Vorschläge zur Bekämpfung der Piraterie in Bundestagsantrag

Im Entschließungsantrag zur Änderung des Telemediengesetzes hat der Gesetzgeber eine Formulierung aufgenommen, die ursprünglich aus einem Gutachten für eco stammt. In diesem Verband sind wesentliche Dienstleister der Piraterie organisiert, wie zum Beispiel das Content Delivery Network Cloudflare oder Hostinganbieter Cyando, OVH, M247, Hetzner oder Link11.
Diese können nun statt der im Koalitionsvertrag vorgesehenen stärkeren Haftung weiterhin Urheberrechtsverletzern ihre Dienste anbieten, bis sie es verboten bekommen. Auch mit der von eco vorgeschlagenen Regelung könnten Sie die Gewinne aus Pirateriedienstleistungen behalten und müssten nicht für die angerichteten Schäden aufkommen.

Den kompletten Beitrag inklusive weiterer Beispiele von eco-Mitgliedern, die tief im Pirateriegeschäft verstrickt sind, finden Sie bei Blickpunkt Film: http://www.mediabiz.de/video/news/gastkommentar-lobbyerfolg-fuer-pirateriedienstleister/408304

Youtubes Erfolg basiert auf gestohlenem Content

Trent Reznor, Musiker und Apple Music Chief Creative Officer, wettert gegen YouTube. Youtube beeinträchtige die Rechte der Künstler und minimiere die Chancen von Mitbewerbern. Letztendlich basiere der Erfolg auf gestohlenem Content. YouTube nehme sich die Arbeit der Künstler und verdiene Geld damit. Ein Service, der Usern urheberrechtlich geschützte Inhalte kostenlos zur Verfügung stellt, sei nicht fair.

http://www.gulli.com/news/27564-musiker-meint-dass-der-erfolg-von-youtube-auf-gestohlenem-content-basiert-2016-06-16

Lasche Selbstverpflichtung statt Rechtsdurchsetzung?

Die EU-Kommission hat zusammen mit Facebook, Twitter, YouTube und Microsoft einen Verhaltenskodex vorgestellt, der eine Reihe von Verpflichtungen zur Bekämpfung der Verbreitung von illegaler Online-Hetze in Europa enthält.
Dass die Verpflichtung aber sehr offen formuliert und kaum nachprüfbar ist zeigt schon der Kernsatz:
„Mit der Unterzeichnung dieses Verhaltenskodex verpflichten sich die IT-Unternehmen, weiterhin gegen illegale Hassrede im Internet vorzugehen. Dazu gehört die fortlaufende Entwicklung interner Verfahren und die Schulung von Mitarbeitern, damit die Mehrheit der stichhaltigen Anträge auf Entfernung illegaler Hasskommentare in weniger als 24 Stunden geprüft und diese erforderlichenfalls entfernt bzw. der Zugang dazu gesperrt werden kann.“

Die Kritik bleibt nicht aus. Staatssekretär Gerd Billen aus dem Bundesjustizministerium stellt fest: „Die Maßnahmen, über die wir uns in Deutschland mit den in unserer Task Force vertretenen Unternehmen verständigt haben, gehen aber weiter.“

Estelle Masse, von der digitalen Bürgerrechtsgruppe Access Now verdeutlich, dass eine solche Vereinbarung auch rechtsstaatlich problematisch sein kann: „Der Verhaltenskodex stellt Geschäftsbedingungen der Dienste über das nationale Recht.“

http://europa.eu/rapid/press-release_IP-16-1937_de.htm

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/facebook-berlin-hadert-mit-bruessels-hatespeech-kodex-a-1095197.html#ref=nl-dertag

Porno über Kirchen WLAN eingeplant

In einem Spiegel-Interview erläutert der Leiter des IT-Referats in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, dass das die Evangelische Landeskirche alle ihre Gotteshäuser mit offenen WLAN-Hotspots ausstatten will und dafür 100.000 Euro eingeplant hat.
Nicht vorgesehen sind Jugendschutzfilter:
„Wir haben in der Kirche oft mit Minderjährigen zu tun. Wir können uns vorstellen, in begründeten Fällen und an bestimmten Standorten einen Jugendfilter einzusetzen, etwa in unseren Schulen und in Jugendbildungsstätten. Aber in Kirchen kann ich mir das nicht vorstellen. Dann gibt es natürlich die Frage: Oh mein Gott, was machen wir denn, wenn die Leute in der Kirche sitzen und sich Pornos angucken?“

Nach Ansicht des Leiters macht dies aber nichts: „Das konnten sie vor hundert Jahren auch schon. Wer wollte, hat sich da Schmuddelheftchen nur eben in Papierform zugeschoben.“

Der kleine Unterschied, dass diesmal die Kirche die Heftchen „liefert“ scheint ihm nicht aufgefallen sein.

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/godspot-wlan-in-kirchen-interview-mit-initiator-kraetschmer-a-1093166.html

(Hervorhebung durch WebSchauder)

Rechte Hetze bei Facebook erreicht 2 Mio. Follower

Die Facebookseite „Anonymous.Kollektiv“ hetzte massiv gegen Flüchtlinge und Migranten und hatte 2 Mio. Follower. Nun ist sie weg. Wer für die Abschaltung verantwortlich ist bleibt offen. Ebenso offen bleibt, wieso die ja anscheinend überaus bekannte Hetzseite nicht schon längst abgeschaltet wurde.

www.sueddeutsche.de/digital/hass-im-netz-bekannte-facebook-hetzseite-ist-offline-1.3001797

Google: 1 Milliarde Löschungen

Nach Angaben von Torrentfreak hat Google inzwischen über eine Milliarde Suchergebnisse wieder gelöscht, da diese zu urheberrechtsverletztenden Inhalten führten.
Die hohe Zahl kommt deshalb zu Stande, da Google auch Seiten durchsucht, zu denen schon über eine Million Löschungsersuchen vorliegen und bei denen nach eigenen Angaben über 50 % aller jemals gefundenen Inhalte wieder aus den Suchergebnisse gelöscht werden mussten.
Die 50%-Marke ist der höchste von Google angegebene Wert. Es könnten deshalb bei einzelnen Seiten auch deutlich mehr Suchergebnisse gelöscht worden sein. Dazu kommt, dass nicht alle Rechteinhaber zu allen ihren Produkten Suchergebnisse löschen lassen.

Google besteht aber weiterhin darauf, solche Seiten zu durchsuchen, da ja ansonsten gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung verstoßen würde. Abgesehen davon, dass es keinen Rechtsanspruch auf Veröffentlichung durch Google gibt, übersieht der Konzern, dass auch Eigentum ein Grundrecht ist.

Googles Alternativvorschlag an die Rechteinhaber, sich statt um die Löschungen von Suchergebnissen besser um die Einnahmen der illegalen Angebote zu kümmern, ist in Anbetracht der Beteiligung Googles bei der Schaltung von Werbung auf illegalen Seiten nur noch unverschämt.

https://torrentfreak.com/google-asked-to-remove-one-billion-pirate-search-results-151029/

www.gulli.com/news/26686-google-will-keine-domains-zensieren-2015-10-22

www.webschauder.de/internetpiraterie-weiterhin-hohe-werbeeinnahmen/